Trockenmauern im Stromberggebiet/Baden–Württemberg und ihre Bewohner am Beispiel der Mauereidechse und Schlingnatter

Die vor 2000 Jahren von den Römern eingeführte Technik des Trockenmauerbaus wurde besonders im Weinbau angewendet und zu wichtigen, vom Menschen geschaffenen Habitate für viele Tier- und Pflanzenarten. Das am natürlichen Standort erworbene Strategie-Repertoire zur Bewältigung von Extremstandorten ermöglicht den ursprünglichen Felsbewohnern dabei auch die Besiedlung von Ersatzbiotopen. Leider nahm und nimmt die Zahl der Trockenmauern ab. Sie werden durch verfugte Mauern und Betonmauern ersetzt oder gleich im Sinne einer maschinengerechten Bearbeitung wie z.B.  im Weinbau abgerissen.

Im Südwestdeutschen Stromberggebiet sind gebietsweise noch viele Mauern erhalten und werden auch oft noch gepflegt. Dort findet der aufmerksame Beobachter zwei typische Bewohner aus der heimischen Reptilienwelt – die Schlingnatter (Coronella austriaca), auch Glattnatter genannt und ihre dortige Hauptbeute, die Mauereidechse (Podarcis muralis).

Artenportrait Schlingnatter:

Mit 60 bis 70 Zentimetern Länge ist die Schlingnatter nur etwa halb so groß wie die Ringelnatter und damit die kleinste heimische Schlangenart. Obwohl sie noch zu unseren häufigeren Schlangenarten zählt, ist diese sich lautlos und elegant bewegende Art recht unbekannt aufgrund ihrer perfekten Tarnung und versteckten Lebensweise. Zu ihrer Hauptbeute gehören Eidechsen, die umschlingt und gewürgt werden.

Die Paarungszeit beginnt im April nach der Winterruhe. Die Schlange ist ovovivipar und nach einer Tragzeit von etwa vier bis fünf Monaten bringt das Weibchen drei bis fünfzehn Junge zur Welt. Die Jungen sind bei der Geburt voll entwickelt und befreien sich schon während des Geburtsvorgangs oder direkt danach aus den dünnen, durchsichtigen Eihüllen.

Die Art ist für den Menschen völlig harmlos. Es kommt allerdings zu Verwechslungen mit der Kreuzotter. Hier führt ein Blick in die Augen zur korrekten Bestimmung. Nattern haben immer runde Pupillen während Vipern, zu denen die Kreuzotter gehört, senkrechte Schlitzpupillen haben

Obwohl die Schlingnatter in Europa und Deutschland noch weit verbreitet ist, geht ihr Bestand zurück. Auf der nationalen „Roten Liste“ wird sie mit Stufe 3 als „gefährdet“ geführt. Durch die Verwechslung mit der Kreuzotter wurde die Schlingnatter jahrhundertelang verfolgt und getötet – noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vom Staat ein Kopfgeld pro erschlagener Giftschlange in Deutschland bezahlt.
Auch heute fallen Giftschlangen oder solche Arten, die dafür gehalten werden, gelegentlich der Angst vieler Menschen vor Schlangen zum Opfer. Die weit größere Gefährdung geht allerdings von der fortschreitenden Zerstörung und Zerschneidung der Lebensräume aus. Strukturreiche Landschaften werden intensiviert, Randstreifen werden gemäht, Trockenmauern und Hecken beseitigt. In monotonen Agrarlandschaften ist keine Platz mehr für diese und andere Arten.

Artenportrait Mauereidechse

Die bis zu 25cm große Eidechse (wobei der Schwanz fast 2/3 der Länge ausmacht) ist mit ihren kräftigen Beinen und langen Zehen ein flinker, tagaktiver Kletterer. Ihre Hauptbeute sind Insekten aller Art, Würmer und Schnecken. Die Rückenfärbung ist hell- bis mittelbraun oder grau, mitunter auch grünlich. Auffallend ist eine unregelmäßige schwärzliche Fleckung, die manchmal ein Netzmuster bildet. Die Unterseite ist sehr variabel gefärbt, von weißlich über gelblich bis rot und von ungefleckt bis stark gefleckt oder getüpfelt. Je nach Herkunft können die Tiere in Körperfärbung und Zeichnungsmuster stark variieren, dadurch sind die Tiere teilweise schwer bestimmbar.

Das Gelege wird unter Steinen oder in kleinen selbstgegrabenen Gängen abgelegt. Es umfasst zwei bis zehn Eier. Bei günstigen Lebens- und Umweltbedingungen sind zwei bis drei Jahresgelege möglich. Die Jungtiere schlüpfen nach etwa sechs Wochen von Ende Juni bis Anfang August.

Ursprünglich ein Bewohner von Felsen, Abruchkanten und Schotterbänken an naturnahen Flüssen oder auch lichten Laubwäldern, besiedelte sie auch die vom Menschen geschaffenen Sekundärhabitate wie z.B. die Trockenmauern in den Weinbergen. Doch nun sind auch die Ersatzlebensräume in Gefahr durch die Flurbereinigung im Weinbau. Nur wenn Weinberglagen weiterhin traditionell bewirtschaftet werden, können diese auch den seltenen Echsen eine Heimat bieten. Neben den Hanglagen müssen andere wertvolle Habitatstrukturen wie Trockenmauern, Steinriegel und freie Felsabschnitte erhalten beziehungsweise wieder hergestellt werden.

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