Beeindruckende Naturbilder bieten sich jeden Herbst, wenn große Schwärme von Kranichen und Gänsen auf ihrem Weg nach Süden über mehrere Wochen im Oberen Rhinluch bei Linum und im Nationalpark an der Ostsee rasten.
Kurz nach Sonnenaufgang suchen sie ihre Futterplätze auf abgeernteten Feldern auf. Abends vor Sonnenuntergang treffen sich die Kranichfamilien an ihren Schlafplätzen. Der Anflug der großen Kranichschwärme in V-Formationen und trompetenden Erkennungsrufen ist eines der großen Naturschauspiele, ein einzigartiges Erlebnis.
Im Rhinluch werden die größten Rastzahlen im Deutschen Binnenland erreicht. Es handelt sich vor allem um Vögel aus den Ländern des östlichen europäischen Verbreitungsgebiets.
Darß-Zingster-Boddenkette und Rügen
Die Region des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ist einer der wichtigsten Rastplätze in Mitteleuropa mit Schlafplätzen in dem flachen Bodden sowie umliegende landwirtschaftliche Flächen, die von den Kranichen zur Nahrungsaufnahme genutzt werden. Hier sind es vor allem Mais- und Getreidestoppeln sowie Neusaaten und Ablenkfütterungen, die von den Kranichen genutzt werden, um ihre Energiereserven aufzufüllen. Anfang Oktober 2017 waren 22000 Kraniche an der dortigen Ostseeküste, die meist aus skandinavischen Brutgebieten stammen.
Der Eurasische oder Graue Kranich (Grus grus) ist nicht nur der Wappenvogel einer bekannten Fluglinie, er gilt auch in vielen Kulturen als Glücksvogel und ist ein Symbol für Klugheit, Wachsamkeit und Langlebigkeit. Seine bevorzugten Lebensräume sind Feuchtgebiete der Niederungen, wie beispielsweise Nieder- und Hochmoore, Bruchwälder, Seeränder, Feuchtwiesen und Sumpfgebiete. Zur Nahrungssuche finden sich die Tiere auf extensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Kulturflächen wie Wiesen und Feldern, Feldsäumen, Hecken und Seeufern ein. Für die Rast nutzen sie weite und offene Flächen wie Äcker mit Getreidestoppeln. Als Schlafplätze werden vor allem Gewässer mit niedrigem Wasserstand aufgesucht, die Schutz vor Feinden bieten.
Kennzeichen: Länge 96-119 cm, Spannweite 180-222 cm, wird bis zu 25 Jahre alt. Brütet in Sumpfgebieten, Bruchwäldern und Waldmooren. Überwintert in Mittelmeerraum.Nahrung Getreide, Kartoffel, Insekten
Die Darßer Halbinsel, Teil des Nationalparks bietet aber noch mehr als Kraniche. Ab September beginnt die Hirschbrunft in der Kernzone des Parks. Die Tiere sind in dieser offenen Küstenlandschaft sehr gut zu beobachten, auch weil die Jagd in diesem Gebiet eingestellt wurde. Mit etwas Glück kann man dort auch jagende Seeadler beobachten.
© Bilder und Text Uwe C. Schmidt