Costa Rica – ein Tropenparadies? Oder eine Agro Plantagenhölle mit giftigen Monokulturen?

Das kleine Land in Mittelamerika von der Größe Niedersachsens wird von den zahlreichen Tourismus Unternehmen auf ihren hübschen Webseiten und Hochglanz Prospekten gerne als „Tropenparadies“ und „hot spot der Artenvielfalt“ gepriesen und vermarktet. Insbesondere der sogenannte Ökotourismus boomt hier schon seit längerer Zeit. Was dort allerdings alles als „Öko“Aktivitäten  vermarktet wird, sticht dem kritischen Besucher vor Ort dann manchmal schmerzhaft ins Auge.

Was ist dran? Während einer Reise mit dem Fokus auf Naturfotografie zeigen sich zwangsläufig nicht nur die „Hochglanz“ Seiten in diesem Land. Diese auch nur kurz anzureißen, sprengt eigentlich den üblichen Textumfang in meinem Nature Picture Blog. Aber es sollte gesagt sein!

Fazit vorab – Paradies und Hölle liegen hier ziemlich eng beisammen – die Agro-Hölle ist aber auf dem Vormarsch.

Zuerst zur Hölle: Das kleine Land mit 5 Millionen Einwohnern, politisch im neoliberalen Gleichschritt mit dem großen Vorbild im Norden, produziert mittlerweile „mit Hilfe“ der multinationalen US Fruchtkonzerne Chiquita (Ex United Fruit Company), Dole und Del Monte ca. 75% der Weltananasproduktion auf ca. 40.000 Hektar Land, wofür immer noch Primär- und Sekundärwald, teils illegal gerodet wird mit dramatischen Folgen für die sensible Ökologie dieser Regenwälder, die kleinbäuerliche Landwirtschaft und die Menschen. Monokulturen von Bananen gibt es schon lange in CR, besonders auf der Karibikseite. Der ökologische Schaden, der sich immer noch weiter ausbreitenden Ananasplantagen ist allerdings weitaus größer. Der Pestizideinsatz (z.B. Bromacil) auf den Ananasplantagen in Costa Rica übertrifft mit 52 kg pro Hektar sogar noch die eingesetzte Menge in China und ist Weltspitze und das während des ganzen Jahres ohne Winterruhe wie bei uns in Mitteleuropa. Schwer abbaubare Pestizidsorten, die schon seit längerem selbst in der Glyphosat verliebten EU verboten sind, werden durch Flugzeuge und Traktoren permanent ausgebracht – gerne auch direkt über den Hütten der Plantagenarbeiter, oft illegale Migranten aus Peru und Nicaragua. Die großzügig verteilten Pestizide werden auch durch Winddrift in die benachbarten Naturflächen und Dörfer getragen und großflächig verteilt mit fatalen Folgen. Nicht nur die angrenzenden Flüsse sind vergiftet, auch das Grund-/Quellwasser ist schon seit Jahren nachhaltig belastet, weshalb das Trinkwasser in diesen Gebieten mit Tankwagen angeliefert wird. Gesetzliche Grenzwerte gibt es nicht!

Die Arbeitsbedingungen sind brutal und gesundheitsschädigend bei größtmöglicher Ausbeutung der rechtlosen und miserabel bezahlten Plantagenarbeiter. Arbeitsschutzbedingungen Nein Danke! Die gelten nur für die reichlich vorhandenen und gut bezahlten Staatsbediensteten. Dafür gibt es dann bei Aldi, Lidl und Co. die leckere Ananas zum lächerlich kleinen Preis, bezahlt mit der Gesundheit von Menschen und Natur, mit verursacht durch die Preispolitik der Discounter. Guten Appetit!

Nun zum Paradies bzw. das was nach jahrhundertelanger Ausbeutung durch Spanische Conquistadores, Rinderbaronen (Export-Fleisch für den US Bulettenhunger/McDoof), illegalen Goldsuchern (entlassene Arbeiter der United Fruit Company), Holzfällern und multinationalen Fruchtkonzernen übrig ist: Immerhin sind ca. 25% der Fläche unter Naturschutz gestellt (in Deutschland gerade einmal 4,1%!). In diesen Schutzgebieten trifft man bei richtiger Auswahl und Vorbereitung noch eine üppige Fauna und Flora an mit vielen faszinierenden Arten. Die Landschaften sind geprägt durch Berge, Flüsse, Vulkanismus und die beiden Ozeane. Die höchsten Berge gehen auf fast 4000m. Die Landschaften und Klimazonen sind vielfältig und abwechslungsreich. Je nach geographischer Lage gibt es noch Reste der savannenartigen Trockenwälder, Tieflandregenwälder, Mangrovenwälder im Küstengebiet und in den oberen Bereichen der Berge die Nebelwälder mit ihrer jeweils charakteristischen Flora und Fauna. Die nachfolgenden Bilder mögen einen kleinen Eindruck geben. Pura Vida!

© 2019 Bilder und Text Uwe Schmidt

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