Extremadura – das Land der Steppen, Sierras und Korkeichenwälder

Blühende Dehesa im Frühjahr

Extremadura kommt von „extremos del Duero“, was „jenseits des Flusses Duero“ bedeutet. Das dünn besiedelte Land mit gerade mal 25 Einwohnern pro qkm liegt im Westen Spaniens nahe der Portugiesischen Grenze. Es ist agrarisch geprägt und noch wenig vom Tourismus behelligt.

Allerdings ist die autonome Gemeinschaft Extremadura ein Begriff bei Naturliebhabern und ornithologisch interessierten Menschen, weil es noch über eine reichhaltige Vogelwelt verfügt, in der noch Arten zu beobachten sind, die bei uns in Mitteleuropa schon längst verschwunden sind.

Die Rundreise beginnt in Madrid und geht zuerst in die herbe La Mancha, bekannt durch die Romanfigur des Don Quijote und den guten Wein, der hier großflächig angebaut wird. Der dortige Nationalpark Tablas de Daimiel besteht aus Feuchtgebieten des Flusses Guidiana, die hauptsächlich durch Grundwasser gespeist werden. Er beherbergt die letzten unberührten Feuchtgebiete in der Region und ist ein Treffpunkt für zahlreiche Wasservögel, aber auch von Reptilien, Amphibien und einer üppigen Flora.

Weiter geht es dann nach ein paar Tagen über kleine Straßen in die Extremadura nach Trujillo. Trujillo, die Heimatstadt vieler Konquistadoren wie z.B. den Pizarro Brüdern, ist ein architektonischer Zeitensprung ins Mittelalter und die Renaissance. Von dort aus werden die im Frühjahr blühenden Steppen mit ihren meist unberührten und bewaldeten Flusstälern erkundet. Die Dehesa (Wiese/Weide) ist eine einzigartige Iberische Kulturlandschaft, die durch extensive Weidewirtschaft entstanden ist. Bis zum Horizont erstrecken sich im Frühjahr die grell blühende Wiesen und Weiden mit Schopflavendel unter den lichten Korkeichenwäldern, in denen oft Schweine leben, die dann nach einem guten Leben (im Vergleich zur Deutscher Massentierquälhaltung) zu dem bekannten Jamon Iberico verarbeitet werden. Überall ist der Ruf des Wiedehopfs (up up up) zu hören. Aufgrund der sehr niedrigen Verkehrsdichte auf den Straßen abseits der Autobahnen und Nationalstraßen (auch die sind wenig befahren) lassen sich selbst seltene Arten bequem vom Auto aus beobachten. Etwas abgelegenere Beobachtungspunkte müssen über die zahlreichen Pisten oder zu Fuß erreicht werden.

Ein landschaftliches Highlight ist der Nationalpark Monfragüe. Der Tajofluss, zwei parallele Bergketten und ein gut erhaltener mediterraner Wald mit großen Korkeichen- und Steineichenbeständen prägen diese Landschaft. Der Wald und die Berghänge sind im Frühjahr mit Millionen von weiß blühenden Zistrosen übersäht. An naturbelassenen Nebenflüssen mit blühendem Wasserhahnenfuß tummeln sich Fischotter und Bachschildkröten. Der Nationalpark ist bekannt für seinen Reichtum an Greifvögeln. Man kann Kaiseradler, Mönchs- und Gänsegeier beobachten und dem seltenen Schwarzstorch sogar beim Brüten zuschauen.

Die letzte Etappe ist die Region Las Hurdes, eine fast völlig unbekannte Gegend im Norden der Extremadura. Lange war sie abgeschnitten vom übrigen Geschehen in Spanien und galt als rückständig, was den Vorteil hat, dass die Natur vor allem im Norden noch etwas wilder ist. Luis Buñuel zeigt in seinem Kurzfilm Las Hurdes – Land ohne Brot (Las Hurdes – Tierra sin pan) von 1933 eindrücklich die damalige, große Armut der Bewohner dieser Region. Die dortige Landschaft ist geprägt von Sierras, die bis 2000m hoch sind, von Bergwäldern, Wasserfällen und kleinen aber klaren Flüssen in den Schluchten. Es gibt beste Beobachtungspunkte auf Felsen und Futterplatz mit dutzenden von brütenden Geiern, die man allerdings erst nach mühsamer, schlaglochreicher Pistenfahrt erreicht. Im Norden dieser Region hatten wir das Glück auf eine Gruppe von Iberischen Steinböcken zu treffen, die sich uns völlig entspannt bis auf 30m näherten.

Zum Schluss sollte aber auch erwähnt sein, dass auch Spanien durch seine Industrielle Intensivlandwirtschaft ganze Ökosysteme zerstört und die Biodiversität immer mehr reduziert. Insbesondere spezialisierte Arten verschwinden. Bekanntlich versorgt Spanien halb Europa mit Gemüse, auch weil wir zu viele Ackerflächen für den Anbau von Futter- und Energiepflanzen nutzen.

Allerdings haben die Spanier durch ihre relativ dünne Besiedlung und geringere Industrialisierung viel mehr Platz und die Flächen sind nicht wie in Mitteleuropa maximal effizient bis auf den letzten Quadratmeter landwirtschaftlich genutzt. Spanien und besonders die Extremadura hat noch deutlich mehr Natur- und Brachflächen, die der Fauna und Flora in dieser Region noch große Rückzugsgebiete bietet.

Text und Bilder: Uwe Schmidt, Mai 2022

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